Der Herr der fliegenden Augen

 Otmar Fugmann zeigt am 4.4.18 seine Drohne, mit der er Luftaufnahmen in ganz Oberfranken anfertigt. Foto: Stephan Grossmann

 

Surrende Flugmaschinen mit Fotofunktion: Immer mehr Hobbypiloten setzen auf die Drohnentechnik, um spektakuläre Bilder schießen zu können. Otmar Fugmann ist einer davon.

 

Kronach/Knellendorf – Klick. Wenn sei­ne Kame­ra in luf­ti­ger Höhe aus­löst, bekommt Otmar Fug­mann das nur aus der Fer­ne mit. Den meist atem­be­rau­ben­den Ergeb­nis­sen sei­ner Foto­ses­si­ons tut das kei­nen Abbruch. Fes­tung Rosen­berg, Was­ser­schloss Mit­witz oder „Kro­nach leuch­tet“: Der 52-Jäh­ri­ge aus Knel­len­dorf erlebt das, was vie­len Hob­by-Foto­gra­fen oft ver­wehrt bleibt – der Blick von oben. Mög­lich macht ihm das sei­ne Lei­den­schaft zur Droh­nen­flie­ge­rei.

 

„Schon seit mei­ner Jugend beschäf­ti­ge ich mich mit Modell­flie­ge­rei“, erzählt Otmar Fug­mann. Damals hat­te er sich an maß­stabs­ge­treu­en Flug­zeu­gen und Hub­schrau­bern ver­sucht. Seit eini­gen Jah­ren setzt er auf flie­gen­de Droh­nen. Sowohl Fern­be­die­nung als auch Flug­ge­rät erin­nern jedoch mehr an High­tech-Maschi­nen als an die Plas­tik­flie­ger, die es mitt­ler­wei­le sogar im Spiel­zeug­fach­han­del zu kau­fen gibt. Für Fug­mann sind die aber nichts: „Ich habe schon immer lie­ber selbst an mei­nen Flie­gern gebaut, als mir fer­ti­ge zu kau­fen.“

 

Dank neu­es­ter Tech­nik las­sen sich die Flug­ma­schi­nen ruhig in der Luft hal­ten. „Um Fotos zu machen, ist das sehr wich­tig“, erklärt Fug­mann. Auf die­se Art sind Hun­der­te Bil­der frän­ki­scher Land­schaf­ten und Sehens­wür­dig­kei­ten ent­stan­den, die den Betrach­ter mit abhe­ben las­sen. Das kann bis zu 100 Meter hoch sein, wei­ter darf Fug­mann sei­ne selbst gebas­tel­ten Flug­kör­per laut der Droh­nen-Ver­ord­nung des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums (sie­he unten) näm­lich nicht stei­gen las­sen.

 

Weil immer mehr Hob­by­pi­lo­ten Hand an die Fern­be­die­nun­gen legen, gibt es die­se Ver­ord­nung seit 2017. Laut Schät­zun­gen von Exper­ten flie­gen mitt­ler­wei­le mehr als eine Mil­li­on sol­cher unbe­mann­ten Flug­ob­jek­te durch den deut­schen Luft­raum. Wie alle ande­ren Droh­nen-Pilo­ten muss sich auch Fug­mann dar­an hal­ten. „Weil die Regeln stren­ger gewor­den sind, ist es lei­der gar nicht mehr so leicht, spek­ta­ku­lä­re Auf­nah­men zu machen“, sagt er. Aber den­noch ver­sucht er, sei­ne knapp zwei Kilo­gramm schwe­re Maschi­ne so oft wie mög­lich in die Luft zu bekom­men. Schließ­lich gibt es noch eini­ge Pro­jek­te, die er foto­gra­fisch umset­zen möch­te. „Mein Traum wäre es, ein­mal einen eige­nen Bild­band zu pro­du­zie­ren“, sagt der Knel­len­dor­fer.

 

Etwa 15 Minu­ten lang kann er am Stück flie­gen, dann ist der Strom alle. Das macht aber nichts. „Ich habe immer vier bis fünf Akkus dabei, um für das per­fek­te Bild vor­be­rei­tet zu sein“, sagt Fug­mann. Aber die meis­te Zeit sei­nes Hob­bys ver­bringt er ohne­hin nicht drau­ßen, son­dern in der Werk­statt. Dort haben sich über die Jah­re unzäh­li­ge Modell­flug­zeu­ge, Droh­nen und Ersatz­bau­tei­le ange­sam­melt. „Gebas­telt habe ich schon immer ger­ne“, erzählt er. Mit der Droh­nen­flie­ge­rei konn­te er bei­de Lei­den­schaf­ten – das Foto­gra­fie­ren und den Modell­bau – ide­al mit­ein­an­der ver­ei­nen.

 

Meh­re­re Hun­dert Stun­den Flug­zeit hat Fug­mann in sei­nem Log­buch bereits ver­merkt. Unfäl­le konn­te er bis­her immer ver­mei­den. Schließ­lich hat er sein Hand­werks­zeug mit dem Steu­ern eines Modell­hub­schrau­bers gelernt. Der „Königs­dis­zi­plin“, wie er sagt. Nichts­des­to­trotz bleibt stets ein Rest­ri­si­ko. „Des­halb soll­te jeder Pilot vor­sich­tig agie­ren“, so der Droh­nen­ex­per­te. Eine Rol­le spie­len bei­spiels­wei­se die Wet­ter­ver­hält­nis­se: Je wind­stil­ler und bes­ser die Sicht, des­to ein­fa­cher. „Das Wich­tigs­te ist, die Ori­en­tie­rung zu behal­ten und die Droh­ne nicht aus den Augen zu ver­lie­ren“, erklärt der 52-Jäh­ri­ge.

 

Dass er heu­te über­haupt wie­der in der Luft unter­wegs ist, ver­dankt er einem Zufall. „Eigent­lich hat­te ich die Sachen für Jah­re auf dem Dach­bo­den ver­staut“, erzählt Fug­mann. Vor zehn Jah­ren haben sei­ne Kin­der die alten Flug­zeug­tei­le ent­deckt und ihn somit auf die Idee gebracht, sein ruhen­des Hob­by wie­der auf­le­ben zu las­sen. „Das war ein will­kom­me­ner Wie­der­ein­stieg für mich“, meint er lachend.

 

Und sei­ne Arbeit kommt an. In zahl­rei­chen Maga­zi­nen, Zei­tun­gen und selbst in den Tages­the­men waren Fug­mann-Bil­der schon zu sehen. Kein Wun­der, inves­tiert er doch viel Zeit und Geduld sowohl in Vor-, als auch Nach­be­rei­tung. Wo das nächs­te Foto­shoo­ting statt­fin­den soll, weiß er zwar noch nicht. Aber von wo: Von ganz oben.

Ein Überblick über die wichtigsten Fragen:
  • Wel­che gesetz­li­che Bestim­mun­gen gibt es für Droh­nen?
    Die Nut­zung von Droh­nen in Deutsch­land regeln das Luft­ver­kehrs­ge­setz (LuftVG) und die Luft­ver­kehrs­ord­nung (Luft­VO). Letz­te­re gilt für Benut­zer, die ihre Droh­nen außer­halb von Modell­flug­hä­fen stei­gen las­sen.
  • Benö­ti­ge ich einen Droh­nen­füh­rer­schein?
    Nein. Im Moment gibt es in Deutsch­land kei­ne gesetz­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen, die zum Steu­ern einer Droh­ne ein­ge­hal­ten wer­den müs­sen. So müs­sen weder eine „Füh­rer­schein­prü­fung“ noch ein gesetz­li­ches Min­dest­al­ter ein­ge­hal­ten wer­den. Steu­ern Kin­der eine Droh­ne, dann gilt grund­sätz­lich, dass ihre Eltern für etwai­ge Schä­den haf­ten.
  • Gibt es den­noch Regeln für Flug­ge­rä­te?
    Ja. Nut­zer von Maschi­nen zwi­schen 0,25 und zwei Kilo­gramm müs­sen eine Pla­ket­te mit Namen und Adres­se des Besit­zers anbrin­gen.
  • Wie sieht es bei schwe­re­ren Gerä­ten mit bis zu fünf Kilo­gramm aus?
    Auch dann muss eine Pla­ket­te mit Name und Adres­se ange­bracht wer­den. Über­dies müs­sen die Pilo­ten beson­de­re Kennt­nis­se besit­zen. Der Nach­weis wird ent­we­der nach Prü­fung durch eine vom Luft­fahrt-Bun­des­amt aner­kann­te Stel­le erteilt oder bei Modell­flug­zeu­gen durch einen Luft­sport­ver­band nach einer Ein­wei­sung aus­ge­stellt.
  • Und bei Droh­nen mit mehr als fünf Kilo­gramm Gewicht?
    Dann benö­ti­gen die Besit­zer eine Auf­stiegs­er­laub­nis, die von den Lan­des­luft­fahrt­be­hör­den erteilt wird. Für Kro­nach zustän­dig ist das Luft­amt Nord­bay­ern, erreich­bar im Inter­net unter www.regierung.mittelfranken.bayern.de.
  • Wie hoch darf ich mein Flug­ge­rät außer­halb von Modell­flug­hä­fen stei­gen las­sen?
    Droh­nen und Modell­flug­zeu­ge dür­fen maxi­mal 100 Meter hoch flie­gen. Eine offi­zi­el­le Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung kann jedoch bei der Lan­des­luft­be­hör­de bean­tragt wer­den?
  • Gene­rell gilt,…
    …dass Droh­nen und Modell­flug­zeu­ge nur in Sicht­wei­te geflo­gen wer­den dür­fen. Außer­dem müs­sen sie stets bemann­ten Luft­fahr­zeu­gen aus­wei­chen.
  • Gibt es Ver­bots­zo­nen?
    Ja. Der Betrieb von Droh­nen oder Modell­flug­zeu­gen in und über sen­si­blen Berei­chen wie Ein­satz­or­ten von Poli­zei und Ret­tungs­kräf­ten, Men­schen­an­samm­lun­gen, Haupt­ver­kehrs­we­gen, An- und Abflug­be­rei­chen von Flug­plät­zen ist nicht erlaubt.
  • Wie sieht es mit dem Grund­stück des Nach­bars aus, darf ich dort flie­gen?
    Nein. Dort ist der Betrieb einer Droh­ne oder eines Modell­flug­zeugs mit einem Gewicht von mehr als 250 Gramm ver­bo­ten. Das Glei­che gilt, wenn das Flug­ob­jekt (unab­hän­gig von sei­nem Gewicht) in der Lage ist, opti­sche, akus­ti­sche oder Funk­si­gna­le zu emp­fan­gen, zu über­tra­gen oder auf­zu­zeich­nen. Dar­un­ter fal­len Kamer­adroh­nen jeder Art.
  • Wie sieht es recht­lich aus, wenn doch ein­mal etwas pas­siert?
    Beim Ein­satz von Droh­nen gilt in Deutsch­land grund­sätz­lich die Gefähr­dungs­haf­tung. Grund­sätz­lich haft­bar ist der Hal­ter. Es sei denn, der Pilot hat­te die Flug­ma­schi­ne ohne des­sen Wis­sen benutzt.
  • Zahlt im Not­fall mei­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rung?
    Die pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung deckt even­tu­el­le Schä­den, die durch eine Droh­ne ent­ste­hen, nicht immer ab. Es ist eine spe­zi­el­le Haft­pflicht­ver­si­che­rung erfor­der­lich und sogar Pflicht in Deutsch­land.
  • Darf ich mei­ne Droh­ne auto­nom flie­gen las­sen?
    Nein. Der Pilot muss sein Flug­ge­rät stets im Blick haben und immer die vol­le Kon­trol­le dar­über besit­zen. Das könn­te sich – vor allem im Hin­blick auf die gewerb­li­che Nut­zung – aber in den nächs­ten Jah­ren ändern.

 

Der Artikel ist am 9.4.18 bei 
der Neuen Presse Kronach
erschienen.