Geschichte: Eine Welt wird zur Heimat

Fluchtbilder“: Eine Ausstellung von Bamberger Studierenden zeigt Fotos und Texte, die das Leben von geflohenen und angekommenen Menschen in den Fokus nehmen.
Carolin Wedler (links) und Dr. Georgiana Banita präsentieren die die gemeinsam mit Studierenden der Otto-Friedrich-Universität Bamberg enstandenen Werke.

Caro­lin Wed­ler (links) und Dr. Geor­gia­na Bani­ta prä­sen­tie­ren die die gemein­sam mit Stu­die­ren­den der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg enstan­de­nen Wer­ke. Fotos: groart.de

Bam­berg  Es sind Bil­der, die im Gedächt­nis blei­ben: Lachen­de Kin­der­au­gen bli­cken auf zer­stör­te Stra­ßen­zü­ge, jun­ge Men­schen trot­zen beim gemein­sa­men Fuß­ball­spie­len einer unge­wis­sen Zukunft, moti­vier­te Hel­fer rei­chen den Neu­an­kömm­lin­gen ihre Hän­de. Pro­fis und Hob­by-Foto­gra­fen haben in den ver­gan­ge­nen Mona­ten genau­er dort­hin geschaut, wo in den Medi­en salopp nur noch von der Flücht­lings­kri­se gespro­chen wird. Dabei sind Bil­der ent­stan­den, die den vor Krieg, Ter­ror und Hun­ger flie­hen­den Men­schen ein Gesicht geben, die deren Hoff­nun­gen aus­drü­cken und ihren neu­en All­tag in einer ihnen frem­den Welt zei­gen. Zusam­men­ge­fasst unter dem Titel „Flucht­bil­der“ waren die Wer­ke Anfang Juni im Spie­gel­saal der Har­mo­nie des ETA Hoff­mann Thea­ters zu bewun­dern.

Besucher schauen sich die Werke genau an.

Besu­cher schau­en sich die Wer­ke genau an.

Auf bei­na­he 40 Dis­plays sind ein­drucks­vol­le Bild- und Text­bei­trä­ge von jun­gen Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Bam­berg zu sehen, die sich mit dem gro­ßen The­men­kom­plex „Weg­ge­hen und Ankom­men“ beschäf­ti­gen. Die Idee hat­te Geor­gia­na Bani­ta. Die pro­mo­vier­te Geis­tes­wis­sen­schaft­le­rin arbei­tet am Lehr­stuhl für Lite­ra­tur und Medi­en an der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg und berei­te­te die Aus­stel­lung gemein­sam mit Stu­die­ren­den ihrer Kur­se vor. Sie wol­le Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung an einem aktu­el­len Bei­spiel betrei­ben und die poli­ti­sche Rea­li­tät abbil­den. Die Foto­gra­fie eig­ne sich dafür sehr gut, sagt Bani­ta. „Ers­tens ist es ein für bei­na­he jeden ein­fach zugäng­li­ches Medi­um und zwei­tens über­win­det es alle Sprach­bar­rie­ren“.

gro_fluchtbilderIn der Aus­stel­lung zu sehen sind Bil­der von 13 Foto­gra­fen, dar­un­ter auch wel­che von Bani­ta selbst. Auf­ge­nom­men wur­den sie in ganz Deutsch­land, zei­gen Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen, gemein­sa­me Grill­fes­te als Zei­chen der deut­schen Will­kom­mens­kul­tur, doku­men­tie­ren aber auch Demons­tra­tio­nen von Rechts­ex­tre­men und spie­geln rech­te Het­ze im Netz wider. Somit bil­det die Aus­stel­lung „Flucht­bil­der“ ein­drucks­voll ab, ob und wie der neue kul­tu­rel­le Aus­tausch in Deutsch­land gelingt. Und wo es noch hapert. Selbst der inter­na­tio­nal renom­mier­te Foto­jour­na­list Ed Kashi steu­er­te eini­ge sei­ner Wer­ke bei, die er in Flücht­lings­la­gern im Nahen Osten auf­ge­nom­men hat­te.

Dr. Georgiana Banita.

Dr. Geor­gia­na Bani­ta.

Men­scheln: Das sol­len Fotos in der jour­na­lis­ti­schen Fach­spra­che, um bei den Betrach­tern Emo­tio­nen her­vor­zu­ru­fen. Dies ist den Foto­gra­fen der „Flucht­bil­der“ gelun­gen. „Uns war wich­tig, kei­ne Sym­bol­bil­der zu erstel­len“, erklärt Caro­lin Wed­ler. Die Mas­ter­stu­den­tin an der Bam­ber­ger Uni­ver­si­tät hat gemein­sam mit Bani­ta die Aus­stel­lung erstellt. „Wir woll­ten per­sön­li­che Kon­tak­te und Freund­schaf­ten dar­stel­len, uns dem The­ma auf emo­tio­na­le Wei­se nähern und für unter­schied­li­che Ziel­grup­pen auf­ar­bei­ten.“ Außer­dem wol­le man dem Besu­cher auf Augen­hö­he begeg­nen. Das heißt, die Uni­ver­si­tät und deren Ange­hö­ri­ge sol­len und wol­len sich nicht nur aka­de­misch mit dem The­ma „Weg­ge­hen und Ankom­men“ aus­ein­an­der­set­zen, son­dern auch prak­tisch. Dabei sein. Mit­hel­fen.

Carolin Wedler.

Caro­lin Wed­ler.

Vie­le Men­schen hät­ten noch immer Vor­be­hal­te gegen die neu­en Nach­barn, trau­ten sich nicht, die Men­schen aus der ver­meint­lich frem­den Welt per­sön­lich ken­nen­zu­ler­nen, so Wed­ler. „Die Aus­stel­lung soll die­se Leu­te inspi­rie­ren, ihre Hemm­schwel­le zu über­win­den“. Mit eige­nen Tex­ten und Kom­men­ta­ren erklä­ren die Foto­künst­ler ihre Ansich­ten und zei­gen, war­um es sich lohnt, die Arme für ein herz­li­ches Will­kom­men aus­zu­stre­cken.

Wer nicht dazu gekom­men ist, die „Flucht­bil­der“ anzu­schau­en, hat ab dem 28. Juni wie­der Gele­gen­heit. Im Rah­men der Inter­na­tio­na­len Woche der Uni­ver­si­tät Bam­berg sind die Bil­der noch bis zum 23. Juli in der Teil­bi­blio­thek 4 am Heu­markt 2 zu sehen. Alle Bil­der und wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es unter www.refugee-photos.com.